Unterwegs im Garten Eden

Am 23.7. brachen 14 Ybbsitzer und 2 Ehemalige auf, um den Jakobsweg von Herzogenburg nach Melk zu erkunden. Mit dem Auto gings nach Melk, mit dem Zug weiter nach Herzogenburg. Dann schnürten alle die Wanderschuhe, schulterten die Rucksäcke und los gings zu Fuß zur Stiftskirche. Gestärkt durch den Pilgersegen starteten wir Richtung Stift Göttweig. Und ich war natürlich gemeinsam mit meiner Schwester dabei.

Ach so, ich habe mich noch nicht vorgestellt. Ich war der Pilgerstab am Ende der Gruppe. Ganz vorne wurde meine Schwester mitgetragen. So hatten wir alle im Blick, und niemand ging verloren. Unterwegs hatte Agnes Scheucher kurze Impulse vorbereitet. Wir wanderten auf Feldwegen an Weingärten und Getreidefeldern, Kapellen und Wegkreuzen vorbei und stellten fest – wir sind eigentlich mitten im Garten Eden. Ich wurde ja getragen, aber die Pilgergruppe kam bei diesen sommerlichen Temperaturen gehörig ins Schwitzen. So erreichten wir unser erstes Ziel, das Stift Göttweig. Bei einem „himmlischen“ Abendessen auf der Terrasse konnten wir noch das feurige Farbenspiel des Sonnenuntergangs miterleben.

Am nächsten Tag starteten wir, die Pilger gestärkt durch ein reichhaltiges Frühstücksbuffet, Richtung Maria Langegg. Diesmal führte uns der Weg auf Hohlwegen in den Schatten des Dunkelsteiner Waldes. Die Pilger pflückten immer wieder duftende Kräuter, bunte Blumen, kleine Zweige, Efeuranken, Getreideähren und Weinblätter am Wegrand und schmückten uns damit. Hunger, Durst und Hitze sind für unsereins ja kein Thema. Aber die armen Wanderer mussten Jause und Getränke für zwei Tage mitschleppen. So erreichten wir schließlich Maria Langegg gerade rechtzeitig zum Abendessen im gemütlichen Gastgarten des Langegger Hofes. Die Unterkunft im Kloster war diesmal richtig pilgermäßig einfach. Aber stellt euch vor, die Schwestern hatten schon um 6 Uhr das Frühstück im historischen Speisesaal des Klosters gerichtet.

Nach einem Morgenlob in der Klosterkirche gings zur Ruine Aggstein und weiter nach Aggsbach Dorf in die Kartause. Auf dem Weg sahen wir noch die Schäden des Hochwassers, das auch seine Spur der Verwüstung durch die Kartause und den ganzen Ort gezogen hatte. Trotzdem wurden wir mit den Worten „Herzlich Willkommen in der Kartause Aggsbach. Schön, dass ihr da seid“ begrüßt. Schwungvoll, herzlich und berührend war die gemeinsame Wortgottesfeier im provisorischen Gottesdienstraum im Obergeschoß der Kartause. Ich durfte sogar neben dem Kreuz stehen. Zwei Damen, die auch bei der Feier waren, überraschten uns bei ihnen zuhause mit Wasserkrug und Schnapsflasche, um uns zu stärken. Vorbei an Gerolding und Schönbühel, erreichten wir nach insgesamt 65 km die Stiftskirche Melk. In einer kleinen Seitenkapelle feierten wir gemeinsam den spirituellen Abschluss.

Mir blieb ja genug Zeit um zuzusehen und hinzuhören. Ich war mit einer bunten Schar fröhlicher Leute unterwegs.
Es gab viele Eindrücke, gute Gespräche, Freude am Gehen und Ankommen und Humor. Aber ich merkte auch, dass so manche Traurigkeit, Ängste, Sorgen und Anliegen mitgetragen wurden. Manches konnte vielleicht in Kirchen oder Kapellen abgeladen werden. Die Pilger durften erfahren, dass es immer wieder Begleiter gibt, die ein Stück des Weges mitgehen und Freude und Sorge teilen. Aber ganz gewiss ist, Gott geht mit jedem von uns immer mit, um uns zu halten und zu tragen.

Euer Pilgerstab

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.